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Schulgeschichten aus Diespo


An dieser Stelle veröffentlichten wir ein ganzes Jahr Schulgeschichten von Frau G. Schättel, einer langjährigen Lehrerin unserer Schule.
All diese Geschichten haben sich in ähnlicher Form ereignet und fanden entweder in Dietersheim oder Sponsheim statt.

Vielen Dank, Liebe Frau Schättel, für die munteren Erinnerungen!

Viel Spaß beim Lesen!




Schulgeschichte April 2013

Nina soll warten

Heute war viel los in der Schule. Zwei Stunden Mathearbeit, danach kam der Schulzahnarzt und dann in Sport noch gemeinsamer Unterricht mit der dritten Klasse, weil die Sportlehrerin krank war! Das zerrt an den Nerven. Zum Glück war in der letzten Stunde Kunstunterricht, Nina freute sich schon: Sie wollten aus Krepp-Papier Girlanden für das Schulfest basteln.
Nach einer Stunde waren die Girlanden fertig und wunderschön, aber wie sah das Klassenzimmer aus! Blöderweise hatte Nina Ordnungsdienst, so ergriff sie beim Klingeln den Besen und begann, die Schnipsel aufzukehren.
Die Klassenkameraden waren blitzschnell verschwunden, es reichte ihnen für heute. Nina war gewissenhaft - sie wollte ihre Arbeit nicht hinschmeißen. Pflichtbewusst kehrte sie die letzten Schnipsel auf die Schaufel.
Die Lehrerin war kurz draußen gewesen. Nun wunderte sie sich: "Wie, du bist noch da? Das ist sehr gut, warte mal einen Moment. Ich habe noch die Einladungen zum Elternstammtisch für deine Mama im Lehrerzimmer, die kannst du gleich mitnehmen, damit sie sie verteilt. Das ist wichtig, die Zeit ist knapp!"

Die Lehrerin lief zum Lehrerzimmer. Da ging es munter zu. Die Betreuerin hatte Geburtstag und einen großen Kuchen mitgebracht. Eine Flasche Sekt war noch im Kühlschrank, die wurde geöffnet. Dabei kam man ins Erzählen. Es war sehr gemütlich. Und wenn schon alle zusammen waren, konnte man auch gleich die Tagesordnung zur nächsten Konferenz festlegen. Ninas Lehrerin sah dann noch ein paar Klassenarbeiten nach - da hatte sie es hinter sich.
Nach zwei Stunden war sie müde. Jetzt aber schnell nach Hause!

Da fiel ihr ein: Sie hatte ihr Klassenzimmer noch nicht abgeschlossen! Nun, das ist schnell geschehen. Sie öffnete die Tür, und da traf sie der Schlag: Einsam und allein saß Nina auf ihrem Platz, der Kopf lag auf der Bank. Nina schlief. Die hatte sie doch völlig vergessen!
Die Lehrerin schüttelte sie: "Kind, warum bist du denn nicht heim gegangen?" "Sie haben gesagt, ich soll warten, weil sie mir die Einladungen bringen wollten!"
O, was hatte die Lehrerin ein schlechtes Gewissen! Nina durfte dreimal in die Bonbondose greifen. Und dann fuhr die Lehrerin Nina mit dem Auto nach Hause. Zum Glück war Mama gerade erst von der Arbeit gekommen, aber ein bisschen gesorgt hatte sie sich doch. Die Lehrerin erklärte alles, und keiner durfte mit Nina schimpfen.

Nur die Einladungszettel lagen immer noch einsam und verlassen auf dem Kopierer.

G. Schättel



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Schulgeschichte März 2013

Komm doch, lieber Frühling


Das Wetter,es nervt! Wo bleibt der Frühling?

Vor ein paar Jahren hatten die Sponsheimer Kinder es besser. Schon Anfang März blühten die Veilchen. Die Buben waren in keiner Pause zu sehen, weil sie auf dem Sportplatz hinter der Schule bolzten. Die Mädchen hatten Hickelhäuschen gemalt oder spielten Gummitwist.

Franziska kam nach der Pause auffällig langsam und vorsichtig ins Klassenzimmer. Ihre Hände versteckte sie unter der Bank. Als die Lehrerin den Auftrag gab "Lesebücher raus", machte Franziska keine Anstalten. Sie rutschte auf ihrem Stuhl tiefer und drückte sich gegen den Tisch. Die Hände hielt sie unverändert unter der Bank. Franziska versteckte etwas, das keiner sehen sollte, das merkten alle. Aber das Lesebuch musste auf den Tisch, da kam sie nicht dran vorbei. Ungern öffnete sie ihre Hände. Was hatte sie da? Ein schönes weißes Hühnerei. Franziska hatte es im Gebüsch hinter der Schule gefunden. Vom Osterhasen konnte es nicht sein, das war klar, denn der Osterhase bringt bunte Eier. "Wenn ich es ganz warm halte", erklärte Franziska hoffnungsvoll, "kommt vielleicht ein Küken raus!"

Ein lebendiges gelbes Osterküken - das wäre schön! Aber die Lehrerin musste Franzi den Traum zerstören. "Eins von Nachbars Hühnern hat sich verirrt. Das Ei liegt sicher schon lange in den Büschen und ist ganz kalt geworden. Da schlüpft kein Küken mehr. Bring es zum Bio-Müll!" Franziska sträubte sich wie wild. Das Ei sollte mit nachhause - dort wollte sie eine Schuhschachtel auspolstern und auf die Heizung stellen. So hätte das Ei ein schönes warmes Nestchen.
br> Kein Zureden half - Franzi zog nach Schulschluss mit ihrem Ei davon. Aber wie es so geht: Sie zeigte ihren Klassenkameraden den Fund ein wenig zu oft - das Ei fiel zu Boden und zerplatzte. Der Dotter und das Eiweiß zerliefen auf dem Bürgersteig - kein Küken weit und breit.

Arme Franzi! Aber der Osterhase hat zum Trost schöne gelbe Schokoladenküken gebracht.

G. Schättel



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Schulgeschichte Februar 2013

Probealarm!

Einmal im Jahr musste er sein, das war Vorschrift. Vorher im Unterricht war alles genau besprochen worden: Bei Brandgefahr bleibt alles stehen und liegen, die Kinder begeben sich so schnell wie möglich (nicht rasen!) zu den Ausgängen. Die Klassen 1,2 und 3 nehmen als Fluchtweg den Haupteingang der Schule, Klasse 4 den Hintereingang. Auf dem Schulhof sammeln sich anschließend alle, und die Lehrerinnen zählen ihre Schäflein.

Ein wildes Dongdongdong schreckte die Kinder am Ende der ersten Stunde auf. Ein schriller Schrei: "Feueralarm!" - dann begann die Jagd zu den Ausgängen.

Laura aus der 1a hatte noch ein bisschen geträumt, so ganz wach ist man in der ersten Stunde ja nie. An ihrer Buntstiftzeichnung hatte sie noch ein wenig rumgemalt, die Gedanken waren überall, wo keine Schule war. Und jetzt das: Aufruhr, wildes Gerenne - Laura hatte zwar keine Ahnung warum, lief aber mal für alle Fälle mit. Angst stieg in ihr hoch. Was war das bloß? Ranzen, Mantel - kein Kind kümmerte sich darum. War etwas Schreckliches passiert?

Auf dem Schulhof kam Laura zu sich. Die anderen Kinder sahen an ihrem fassungslosen Gesichtchen, dass da jemand keine Ahnung hatte und klärten sie auf. Jetzt begann Laura zu kapieren. Mit Tränen des Zornes in den Augen baute sie sich vor Schulleiter Mayer auf und fauchte ihn bitterböse an: "Herr Mayer, sie sind ein richtiger Kinderverarscher!"

G. Schättel



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Schulgeschichte Januar 2013

Wenn Frau Holle die Betten schüttelt

Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien saßen die Kinder im Stuhlkreis. Sie erzählen von ihren Wünschen an das Christkind. Viele wandten sich an Petrus und Frau Holle: "Wir wollen endlich mal wieder Schnee!"

Jetzt waren die Ferien vorbei und alle mussten wieder tüchtig lernen - schließlich sollte es Ende Januar Zeugnisse geben. Und da erfüllte Frau Holle etwas verspätet den Wunsch der Kinder. Es schneite und schneite - einen Tag und eine Nacht lang. War das eine Freude! Die Kinder kamen in Schneeanzügen zur Schule, den Ranzen hatten sie auf den Schlitten geschnallt. Schneeballwerfen in der Pause war natürlich streng verboten, aber Klasse 2 rief einen Schneemannwettbewerb aus. Tobias hatte den schönsten: Eine Micky Maus aus Schnee, mit runden Ohren und einem Schnäuzchen aus Kohle, fast einen Meter hoch!

Und dann hatten die Lehrerinnen eine tolle Idee: "Keine Schule morgen!" teilten sie mit. "Wir machen einen Rodel-Ausflug!" Dick vermummelt, mit Rucksack und Rodelschlitten, versammelten sich am nächsten Vormittag etwa 120 Kinder vor der Schule. Zwei Busse verluden alle Schlitten in den Gepäckraum, und los ging es zum Rodelhang an der Amalienhöhe am Rand des Binger Waldes.

War das eine Gaudi! Marco nahm Anlauf, warf sich auf den Schlitten und kam als erster im Tal an. Die anderen zögerten zunächst, wurden aber immer mutiger. Zehn, zwanzig, dreißigmal ging es den Berg hinab, auf dem Bauch, im Sitzen, zu zweit und alleine. Die Lehrerinnen nahmen besonders ängstliche kleine Erstklässler vor sich und rodelten mit! Dann wurden Ketten gebildet: Die Jungen lagen auf dem Bauch, die Füße banden den nächsten Schlitten an. Und runter schlingerten die Schlitten ins Tal. Zum Schluss löste sich die Kette auf und alle landeten quiekend im tiefen Schnee.
Und immer wieder: runter fahren - rauf ziehen - "das soll nie aufhören," meinte Laura. Mit knallroten Backen aßen die Kinder dazwischen ihre zünftige Rucksackverpflegung - die Lehrerinnen genehmigten sich einen Becher heißen Glühwein. Um 12 Uhr hieß es: Schluss für heute! Die Busse schluckten wieder die etwas feuchte, aber quietschvergnügte Menge und heim ging es. "Lieber Gott, lass es noch lange nicht tauen", beteten die Kinder abends in ihren Betten. Und in diesem Jahr wurde ihr Wunsch erfüllt.


G. Schättel



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Schulgeschichte Dezember 2012

Was soll das bedeuten?

Halil konnte prima pfeifen, Quatsch machen und rechnen. Singen konnte Halil auch sehr schön, und deshalb durfte er einer der Hirten sein im Krippenspiel der Klasse 3a.
Eine Woche lang wurde geprobt. Die Hirten hatten sich auf dem Feld versammelt und lagerten dort - mit Laternen, Schäfchen und einem kleinen Hund. Dahinter war der Stall von Bethlehem, von Marlies und Britta mit bunter Kreide an die Tafel gemalt. Maria und Josef davor bewachten ihr Christkind, das auf einem echten Strohbett lag und warteten auf das, was kommen sollte.


Die Hirten sahen einen goldenen Schein am Himmel und wunderten sich sehr, denn es war noch finstere Nacht. Sie begannen zu singen: "Was soll das bedeuten, es taget ja schon - ich weiß wohl, es geht erst um Mitternacht rum..." Das war recht schwer, und die Lehrerin hatte genau erklärt, was es bedeutet - dass es nämlich aussieht, als wäre schon Morgen, obwohl es zwölf Uhr in der Nacht ist. Halil hatte nicht so richtig zugehört. Er sprach prima deutsch, denn er war schon viele Jahre in Dietersheim, aber wenn türkisch die Muttersprache ist, ist das Deutsche manchmal etwas anstrengend.

Am letzten Schultag vor den Ferien waren die Eltern zur Weihnachtsfeier geladen. Die Klasse war festlich geschmückt mit Tannen, Kerzen und vielen glänzenden Sternen aus Goldpapier an den Fenstern.

Das Krippenspiel hatte begonnen. Die Hirten in braunen Kitteln, mit Schlapphüten und Hirtenstäben erhoben sich. Sie hatten den Stern am Himmel erblickt. Die Lehrerin gab den Einsatz zum Singen. Und aus dem Kinderchor hörte man laut und deutlich Halils helle Stimme: "Was soll das bedeuten, die Tagesschau kommt !"

Das Christkind hat ihn sicher verstanden.


G. Schättel

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Schulgeschichte November 2012

Laterne, Laterne

Das Martinsspiel in der Kirche hatte geklappt - zum Glück! Cornelias Klassenkameraden hatten in der Schule tüchtig geübt. Die kritischste Stelle war die Mantelteilung mit dem Schwert - würde der Klettverschluss auch nicht zu deutlich "ratsch" machen und alle würden kichern? Aber die Sorge war unbegründet. Stolz und würdevoll hatten alle vor dem Altar gestanden und zum Schluss in das Martinslied eingestimmt - vom Schulleiter Herrn Mayer an der Orgel feierlich begleitet.

Jetzt drängten alle zur Tür um sich zu formieren, der Umzug sollte losgehen. Cornelia war sehr zufrieden mit ihrer Laterne. Drei Stunden hatte sie im Kunstunterricht daran gesessen. Boden und Deckel einer Käseschachtel hatte Cornelia mit Wasserfarbe dunkelblau gemalt und auf das feste Butterbrotpapier hatte sie goldene Sterne und einen großen Mond geklebt. Weil sie das aber ein bisschen langweilig fand, kam ihr die kleine Entenschablone gerade recht - jetzt schwamm ein Entchen am unteren Rand der Laterne unter einem Sternenhimmel - so wollte es Cornelia haben.

"Im Schnee saß, im Schnee saß, im Schnee da saß ein armer Mann..." sangen die Kinder, man konnte es sich gut vorstellen, denn es war eiskalt in Dietersheim. Cornelia hatte daheim ihre wärmste Mütze herausgesucht, eine dicke weiße Puschelmütze mit großen Bommeln. Sie beeilte sich und drückte sich neben ihre Freundin Silvia, direkt vor die Fraktion der Fackelträger - die Jungen aus dem vierten Schuljahr fanden eine Laterne zu kindlich.

Die Lehrerin stand ein Stück entfernt von ihrer Klasse, als ihr plötzlich vor Schreck die Luft wegblieb. Sie sah Cornelias weiße Mütze, eine Fackel und eine Flamme, die den weißen Puscheln ganz nah kam. Cornelia drehte ein wenig den Kopf, und da war die Flamme übergesprungen - ein kleines Flämmchen auf Cornelias weißer Mütze. Die Lehrerin öffnete den Mund zu einem Schrei, wollte nach vorne stürzen - aber einer war schneller als sie. Uwe hatte sein Gebetbuch noch in der Hand und klatschte es kräftig auf Cornelias Hinterkopf - ein, zwei, dreimal. Cornelia schrie wie am Spieß, sie hatte die Flamme noch nicht bemerkt, wohl aber die Schläge über den Schädel. Jetzt waren ganz viel helfende Hände da und das Flämmchen war schnell gelöscht. Cornelias Mütze war ein wenig versengt und roch nach Rauch.
Silvia nahm die schluchzende Cornelia in den Arm. Die Lehrerin bedankte sich bei Uwe - der nahm es mit einem Achselzucken hin - Selbstverständlichkeit!
Der Martinszug setzte sich in Bewegung, und Cornelia konnte schon wieder singen: Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne!

G. Schättel


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Schulgeschichte Oktober 2012

Ein neuer Schüler


Die große Pause war vorbei, und die Sponsheimer Schulkinder liefen die Treppe rauf. Noch einer rannte mit, er hatte vier Beine und war deshalb noch etwas schneller als die Kinder. Das war Lurchi, ein kleiner Dackel. Er hatte ein wenig in den Büschen auf dem Schulhof rumgeschnuffelt. Als die Kinder dann losstürzten, fand Lurchi das interessant und sauste hinterher. In der Klasse wurde er natürlich sofort entdeckt. "Ist der süß!" "Hoffentlich beißt er nicht!" "Vielleicht will er das Einmaleins lernen?" "Bitte, bitte, er soll bleiben!" bettelten die Kinder die Lehrerin an, die nicht sehr begeistert von dem neuen Schüler war. Sie versuchte, Lurchi zu schnappen und ihn zur Tür zu befördern, aber der entwischte ihr blitzschnell, denn er hatte gerade Katrins Wurstbrötchen gerochen und wühlte seine Schnauze in Katrins Ranzen. Katrin gab ihm ein Bröckchen und Lurchi war begeistert. Hier ließ es sich ja gut leben.

"Ich kenne den Dackel", sagte Sebastian, "er gehört unserem Nachbarn. Ich nehme ihn nach der Stunde mit heim, sonst kommt er vielleicht unter ein Auto." Der süße Lurchi Opfer eines Verkehrsunfalls? Undenkbar. Das sah dann auch die Lehrerin ein. Sie begann mit dem Matheunterricht. "Wieviel ist neun minus sechs?" fragte sie und: "Wuff, wuff, wuff", antwortete Lurchi ganz richtig drei mal. Aber vermutlich verstand die Lehrerin die Hundesprache nicht. Sie wurde ziemlich ärgerlich. Als Lurchi sein Bein am Papierkorb heben wollte, danach an Katrin hochsprang, um noch ein Stück vom Wurstbrötchen zu erbetteln und dabei Mäppchen und Hefte auf den Boden fegte, war ihre Geduld am Ende.

Sebastian wurde kurz beurlaubt, um den Störenfried zu seinem Herrchen zu bringen. Er klemmte sich den Hund unter den Arm und ging zur Tür. "Komm bald wieder Lurchi", riefen die Kinder betrübt. Zum Abschied sahen sie noch Lurchis Schwänzchen, das freundlich wedelte.



G. Schättel


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Schulgeschichte zum Schuljahresanfang

Flori und die Zuckertüte


Der große Tag war endlich gekommen. Mama hatte ihm zuletzt Striche auf den Malblock gezeichnet, und Flori konnte jeden Morgen einen wegstreichen. Flori wartete sehnsüchtig: nicht auf den Nikolaus, nicht auf den Osterhasen - sondern auf den ersten Schultag!
Bevor es losging, hatte Papa noch schnell den Fotoapparat geholt um seinen Flori zu verewigen. Chic sah er aus, das mussten alle zugeben, und Flori fand es auch selbst. Kurze neue Jeans, ein kariertes Schulhemd, auf dem man die Flecken nicht so sieht und schöne weiche Sandalen. Auf dem Rücken natürlich der nagelneue Schulranzen - ganz schön schwer - aber Flori war ja kein kleines Kind mehr. Und da kam Mama und brachte das Allerschönste: die Schultüte. Sowas herrliches hatte Flori kaum jemals gesehen. Leuchtend blau war sie, und auf dem großen Glanzbild in der Mitte sah man einen gefährlichen Wolf mit einem winzig kleinen Rotkäppchen daneben.
Die neuen Erstklässler waren von den großen Kindern mit einem Lied und einem kleinen Theaterstück begrüßt worden. Die Lehrerin hatte ihre Schäflein in die Klasse begleitet, wo jedes Kind - nachdem es gezeigt hatte, dass es einem Igel ein schönes Stachelkleid malen kann - seine Schultüte beschreiben durfte - geöffnet werden sollte die Tüte erst daheim. Das muss ein Erstklässler aushalten.
Flori war vielleicht gespannt! Nachdem alle der Lehrerin "Auf Wiedersehen" gesagt hatten, strebten 24 kleine Erstklässler zur Tür.
Flori hielt seine Tüte fest an sich gepresst. Sie war so groß wie er selbst und so schwer, dass er schnaufen musste. Eine große, knallrote Schleife wedelte vor seinem Gesicht. "Bis Morgen, Frau ..." wollte Flori noch rufen - aber da er vor lauter Tüte und Schleife nichts sehen konnte, stolperte er über den Papierkorb - und die Spitze der Tüte brach ab! Er rieselte und purzelte und Flori stand bald bis zum Knöchel in einem See aus Orangen, Schokoriegeln, Wachsmalstiften, Überraschungseiern, Kaugummis, Lutschern, Kneten und Bastelscheren! Es war wahrhaftig eine schöne Bescherung.
Flori verzog das Mäulchen und wollte losbrüllen - aber die Lehrerin wusste Rat. Sie holte zwei Plastiktüten und alle halfen Flori, seine süße Last darin zu verstauen. So kam er zu Mama, Papa und den Omas, die am Eingang auf ihn warteten: Auf dem Rücken den Ranzen, in der linken und rechten Hand eine Plastiktüte. Für die Schultüte war keine Hand mehr frei gewesen, aber der schlaue Flori hat sich zu helfen gewusst: die Schultüte saß auf seinem Kopf - riesengroß, spitz und leuchtend blau. So marschierte Flori in sein neues Leben als Schulkind.



G. Schättel


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Schulgeschichte Juni 2012

Wassermäuse


Der Tag hatte prima angefangen, da gab es nichts zu meckern. Trotz Zimmerparty am Abend vorher waren die Kinder der Klassen 4a und 4b in der Dauner Eifel-Jugendherberge nicht zu spät aufgewacht. Die zwei Wochen bis Schulschluss würde man noch überleben. Alle Klassenarbeiten waren geschrieben, sechs Wochen Sommerferien zum Greifen nah. Und als Belohnung für vier arbeitsreiche Schuljahre nun drei Tage Jugendherberge - hurra!
Die knusprigen Nutellabrötchen zum Frühstück hatten allen geschmeckt - Mario hatte 5 Stück verdrückt! Noch eine Runde Völkerball auf dem Hof: 4b war leicht sauer, denn schon wieder hatte die 4 a gewonnen - kein Wunder, denn die hatten Melanie - eine Königin des Ballerns und Fangens. Aber es ließ sich mit Fassung tragen, denn alle freuten sich auf den Ausflug zu den Eifelmaaren.
Ein seidig blauer Himmel, eine strahlende Junisonne. Vor Vergnügen stimmte Nadine ein Lied an. "Fallerie, fallera," johlte die ganze Klasse, und nach mehreren Darbietungen japsten die unermüdlichen noch: "Kinder, ist das eine Hitze," ein Lied, das den Tatsachen entsprach.
Die Landschaft der Eifel ist wunderschön und oft recht einsam. Der Ausflug dauerte schon drei Stunden, und längst sah man weit und breit kein Haus mehr, nur die Landstraße lag hinter einem Hügel. Die Kinder marschierten auf einem Feldweg. Die Stimmung war etwas gesunken, denn die Hitze wurde immer drückender. Die beiden Lehrerinnen - eine vorne und eine hinten, mussten ihre lahmen Schnecken immer wieder antreiben.
Doch was war das? In Windeseile war eine Wolkenwand aufgezogen, die immer dichter und grauer wurde. Die Sonne war nicht mehr zu sehen. Und schon platschten die ersten dicken Tropfen auf das Feld. In rasender Eile entwickelte sich daraus ein Wolkenbruch, der sich - bzw. die Kinder- gewaschen hatte. "Stellt euch schnell unter, Kinder", rief eine Lehrerin. Gut gesagt - aber wo? Nur ein paar mickrige Bäumchen standen in der Nähe. Wie die Hühner knäulten sich die Kinder unter diesen Schutz. Es regnete immer heftiger. Und bis zur Jugendherberge war es sicher noch eine gute Stunde!
Warum haben die denn nicht mit ihrem Handy angerufen, dass sie abgeholt werden? werdet ihr euch heute fragen. Doch das war unmöglich, denn ein Handy hatte damals noch keiner. "Es hört sicher bald auf," tröstete eine Lehrerin. Aber Pustekuchen! Es wurde immer dunkler und regnete immer heftiger. Jetzt war auch noch ein starker Wind aufgekommen. Inzwischen hatte niemand mehr einen trockenen Faden am Leib. Einige zerquetschten ein paar Tränchen. Doch da nahte die Rettung! Keiner hatte in der Aufregung bemerkt, dass Anja und Markus fehlten - trödelten sie doch immer endlos weit hinter der Gruppe her. Jetzt kamen die beiden triefend nass den Feldweg runtergelaufen. "Schnell, schnell," schrieen sie, "da oben, ein Bus!"
Die beiden waren noch an der Landstraße langgetrödelt, als die anderen schon Unterschlupf bei den Bäumen gefunden hatten - und hatten unter einer Birke Schutz gesucht. - Und da nahte es - das Wunder des Tages. Ein Schulbus kroch - wegen des starken Regens ganz langsam - die Straße entlang. Anja und Markus winkten wie verrückt. Und der Bus hielt.
Der Fahrer machte zwar ein sehr bedenkliches Gesicht, als die vielen triefenden Wassermäuse angestürzt kamen, denn der Bus war bereits voller Kinder! Aber was sollte er machen? Es war ein glatter Notfall. So quetschten sich die Binger Wassermäuse zwischen die Eifeler Schulkinder - war das ein Gequietsche, Geschimpfe und Gejohle!
Der nette Busfahrer fuhr direkt zur Jugendherberge und bekam von den Lehrerinnen einen doppelt hohen Fahrpreis.
Die Kinder rasten in ihre Zimmer um sich trockene Kleider anzuziehen, denn die Jugendherbergsmutter wollte das Mittagessen schon abräumen. So gut haben die Nudeln mit Tomatensoße wohl selten geschmeckt. Und Anja und Markus bekamen wegen ihrer Trödelei ausnahmsweise keine Standpauke, sondern waren die Helden des Tages.


G. Schättel


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Schulgeschichte Mai 2012

Der kleine graue Kaktus

Auf der Fensterbank im Klassenzimmer der 3a stehen Mathebücher, ein Sparschwein, Jans Malkasten und Murats linker Turnschuh. Und ganz hinten in der letzten Ecke ein kleiner Kaktus. Dieser Kaktus ist schon sehr alt. Die Lehrerin hat ihn mitgebracht, als vor vielen Jahren mal über Zimmerpflanzen gesprochen wurde - und seitdem ist er da. Er wächst nicht richtig, ist auch nicht richtig grün und eigentlich sieht ihn keiner. Gegossen wird er auch fast nie. Nur als Jörg mal seine wilde Blumengießzeit hatte, bekam der Kaktus jeden Tag Wasser. Das mochte er aber gar nicht - er wurde noch grauer und unten ein bisschen schwarz. Jörg kam dann ins fünfte Schuljahr und der Kaktus hatte wieder seine Ruhe.

An einem Morgen im Mai drängen alle Kinder der 3a ins Klassenzimmer. Jeder will schnell auf seinen Platz - nochmal das Gedicht durchlesen, die Lehrerin hört sicher ab!

Mareike sitzt hinten am Fenster, ein Sonnenfleck kitzelt sie an der Nase. Mareike kratzt sich und blinzelt zum Fenster. Irgendwas ist anders. Da! Mareike wundert sich nicht schlecht. Da steht der kleine mickrige Kaktus still und stumm - aber wie hat er sich verändert! Eine Blüte wächst durch die Stacheln - eine große, wunderschöne, ganz zarte Blüte. Sie ist rosa mit dunklen Rändern und feinen grünen Streifen. Ganz zart
duftet sie vor sich hin.

Alle Kinder haben die Kaktusblüte jetzt entdeckt. Pia macht die ganze Fensterbank leer und stellt den kleinen Kaktus in die Mitte. So viele Jahre hat er gebraucht, und jetzt hat er ein kleines Wunder vollbracht.
"Wie ist das schön", flüstert Mareike, "wie ist das schön".

Der Kaktus hat nur einen Tag lang geblüht. Am nächsten Tag war die Blüte verfallen, grau, schlaff wie ein Luftballon. Aber alle wissen jetzt, was in dem kleinen Kaktus für ein Wunder steckt.

Gabriele Schättel




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